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  • AutorenbildLaura von der Groeben

Die Kraft nicht zu bewerten!

Nicht zu bewerten ist eine Königsdisziplin, vor allem dann, wenn die Situation bereits emotional aufgeladen ist.


Es ist Dienstag morgen, das Telefon klingelt bei Carlo dem Projektleiter "Carlo, ich kann nicht kommen, ich habe Margen-Darm, vielleicht kann Thomas einspringen."

Thomas hätte Projektleiter werden sollen und wurde kurz vor Projektstart durch Carlo ersetzt. Thomas trägt es Carlo nach, denn für ihn war das seine Karrierechance gewesen. Doch Carlo bleibt keine Wahl, am Freitag ist der Pitch vor dem Kunden, er braucht Thomas und er braucht eine gute Zusammenarbeit mit Thomas. Ansonsten fährt das Projekt gegen die Wand. Zähneknirschend einigen sich beide darauf zusammenzuarbeiten.


Doch zwei Tage vor Projektende liegen die Nerven blank. Thomas legt Carlo bei jeder Kleinigkeit Steine zwischen die Füße, er lässt ih auflaufen, die unterschwelligen Verletzungen liegen tief. Das Projekt droht zu scheitern.


Carlo weiß, dass er die Situation ansprechen muss, um das Projekt nicht gegen die Wand zu fahren. Carlo glaubt, dass Thomas ihn absichtlich behindert und Thomas hingegen ist sich sicher, dass er besten Wissens und Gewissens an dem Projekt mitarbeitet und fühlt sich von Carlo "ungerecht" behandelt.


Das Gespräch wird eine Herausforderung. Damit Thomas wieder an Bord kommt und das verloren gegangene Vertrauen wieder bekommt, bedarf es Fingerspitzengefühl. Gleichzeitig ist Carlo verzweifelt, weil er es als äußerst unangebracht findet, das Thomas wegen seiner Befindlichkeiten das Projekt gefährdet.


Um ein konstruktives Gespräch überhaupt möglich zu machen ist es wichtig:

  • Thomas die Möglichkeit zu geben das Gesicht zu wahren

  • Klar die eigenen Bedingungen zu kommunizieren

  • Das gemeinsame Ziel herauszustellen

Doch das gelingt nur, wenn Carlo unvoreingenommen in das Gespräch geht. Ohne Wertung – das bedeutet, dass wir alles, was in und um uns herum geschieht, nicht sofort bewerten, in Schubladen stecken oder in „gut“, „schlecht“, etc. einteilen. Nur in einer offenen Haltung und mit einem offenen Blick ist es möglich, wirklich wahrzunehmen, was da gerade präsent ist. Das klingt nachvollziehbar und einfach. Leicht gesagt, schwer umzusetzen.


Damit ihm das gelingt nutzt Carlo folgende drei Impulse:

  1. Er geht in das Gespräch mit der Idee, der andere könnte recht haben. Auf diese Weise kommt Carlo in eine neugierige Haltung

  2. Er stellt sich immer wieder die Frage: Ist es eigentlich richtig, wie ich die Situation sehe.

  3. Welche Beweggründe könnte es gaben, welche Ängste und Befürchtungen blockieren meinen Gegenüber. Oft sind Widerstände wertvolle Hinweise, die wir nutzen könne, aber eben nur, wenn wir nicht bewerten und das Geschehen möglichst wertfrei betrachten.


Das Nicht-Urteilen erlaubt es, die Dinge und Menschen erst einmal so sein zu lassen, wie sie sind. Auf diese Weise fällt der Druck die eigene Position verteidigen zu müssen weg und der Andere hat die freie Wahl seine Position zu verlassen. Oft wollen wir einfach nur Gesehen und Verstanden werden, wenn das passiert dann können wir die stark verteidigte Position ich aufgeben.


Wenn es Carlo gelingt, den Schmerz von Thomas anzuerkennen und Verständnis zu zeigen, dann stehen seine Chancen gut, dass Thomas seinen Widerstand aufgeben kann.


Nicht-Bewerten ist ein mächtiges Werkzeug, dass überaus schweierig in der Anwendung ist.

Doch Nicht-Bewerten zu üben kann eine äußerst bereichernde und spannende Tätigkeit sein. Hör dazu Deiner inneren Stimme zu und schau, wie sie Situationen kommentiert, wie sie über andere redet. Je mehr Du es schaffst, das wahrzunehmen, umso leichter wird es Dir fallen wirklich zu sehen was ist und in die Vernindung und damit ins Vertrauen mit Deinem Gegenüber zu kommen.


Brené Brown ist es gelungen Vertrauen in 7 Facetten runterzubrechen, die dem Konstrukt Vertrauen eine unfassbare Tiefe geben. In dieser Reihe führe ich Dich Schritt für Schritt durch die 7 Facetten und ergänze sie noch durch eine weitere achte Facette. Brené Brown fasst die 7 Facetten unter dem Akronym BRAVING zusammen. Den Link zu den einzelnen Facetten findest Du hier:

BRAVING: B - Boundaries, R - Reliability, A - Accountability, V - Vault, I - Integrity, N - Non-Judgement, G - Generosity and one more thing: Visibility.


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Quellen:

  • Brown, B. (2017). Braving the wilderness: The quest for true belonging and the courage to stand alone. Random House.


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